Philosophisches

Philosophisches:

Was für ein Kampf ist es, der in der Kampfkunst/im Kampfsport gemeint ist? Kampf gegen wen? Kampf gegen was? Kampf warum?

Ein gutes Kampfkunst- oder Kampfsport-Training bringt einen schnell an die eigenen Grenzen. Sei es, dass man im Aufwärmtraining konditionell gefordert wird oder an die Grenzen seiner Kraft kommt, in einer Dehnübung die Beschränkungen der eigenen Beweglichkeit spürt oder in technischen Übungen Schwierigkeiten hat, sich zu koordinieren oder das Gleichgewicht zu halten, stets besteht die Möglichkeit, sich eigener Schwächen bewusst zu werden. Der Kampf, der sich lohnt, liegt nicht im Kämpfen gegen äußere Dinge oder Personen, sondern darin, die schwierige Übung noch einmal zu versuchen und somit die eigene Schwäche zu überwinden. Dieser Prozess des körperlichen Lernens macht uns beweglicher, entspannter, stärker, belastbarer, gesünder, konzentrationsfähiger und entwickelt unsere Fähigkeit, uns selbst zu spüren und bewusst zu steuern.

Kampfkunst in einer schneller werdenden Welt?

Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts standen viele Menschn unter dem Eindruck, dass Leben würde immer schneller werden. Viele Erfindungen beschleunigten das Leben vom Automobil bis zur Telegrafie. Ständige Computer-Nachrichten und blinkende Smartphones tragen heute viel zu dem Eindruck bei ständig bereit sein zu müssen.
Ganz unmodern mutet es an jede Woche konstant und verlässlich an einem Kampfkunsttraining teilzunehmen. Wer sich jedoch regelmäßig überwindet dennoch ins Training zu gehen wird feststellen, dass einen die für das Training erforderliche Konzentration immer wieder zu sich selbst bringt. Auch gewinnt man durch Kampfkunst- und Kampfsport-Training viel Energie, was in Zeiten des zunehmenden Burn-out sehr hilfreich sein kann.
Die einseitige Überlastung unseres Nervensystems durch ein Übermaß an Computerarbeit und die dadurch stärker werdende Trennung zwischen Körper und Geist führt dazu, dass wir das Gefühl für unsere Haltung verlieren und erst durch verspannungsbedingte Schmerzen, zum Beispiel im Rücken wieder aufmerksam werden. Regelmäßiges Kampfkunst- und Kampfsporttraining kann der Entkoppelung von Körper und Geist effektiv entgegenwirken und ist eine gute Prävention verspannungsbedingter Beschwerden.

Was ist die beste Kampfkunst? Der beste Kampfsport?

Jedes Training ist nur so gut wie der/die Trainer/in, der/die sie unterrichtet.
Kein Training macht kugelsicher.
Die obige Frage beruht auf einem Mangel an Differenziertheit.
Welche Kampfkunst, welcher Kampfsport für mich am besten ist, ist abhängig von meinen Zielen und Bedürfnissen. Manche Menschen möchten fitter werden, andere lernene sich selbst zu verteidigen, wieder andere ihre Agressionen auf eine sozial akzeptierte Art und Weise abbauen, wieder andere einen Gruppensport finden, der ihnen Spaß macht und wieder andere möchten an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen.
Wichtig ist eine Gruppe zu finden die zu einem passt, weil man sich auch menschlich gut mit den anderen versteht.
Aus Gründen der Vermarktung ist es sicher hilfreich zu behaupten die eigene Kampfkunst, der eigene Kampfsportart ist ganz anders als alles andere und das einzig Wahre.
Dem steht der alte Spruch entgegen: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“
Wie überall im Leben gilt auch hier, wer am meisten übt wird die geübte Fähigkeit irgendwann am besten beherrschen. Jede geübte Fähigkeit wird sich sicherlich in vielen Systemen und Schulen rund um den Erdball wiederfinden und möglicherweise auch im Alltag. Wer die Fallschule gemeister hat, hat ein verbesserte Wahrscheinlichkeit sich beim Hinfallen geschickt abzufangen und möglichst unverletzt wieder aufzustehen.
Des Weiteren lässt sich beobachten, dass die Unterschiede zwischen zwei Karate-Stilen oder zwei Aikido-Stilen mitunter größer sind als die Unterschiede zwischen einem speziellen Karate-Stil und einem Kung Fu-Stil oder einem Aikido-Training und einem Jiu-Jitsu-Training.

Wohin mit der Wut?

In der westlichen Welt sind unterdrückte Aggression und Wut ein häufiges Phänomen.
Ein Blick auf den Straßenverkehr, die Geschwindigkeit mit der Mensch auf die Hupe drücken, aggressiv gestikulieren, auf andere nicht in der Lage zu warten sind ist sicherlich ein Indikator für diesen Umstand.
Wenn man sich in Schule und Beruf und Alltag ständig anpassen muss und Aggressionen nie abbauen kann, stauen sich diese auf, was sicherlich auch die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen steigert.
Aggressionen in sicherer und verantwortlicher Weise zusammen mit anderen abzubauen ist etwas, das ein gutes Kampfkunst- oder Kampfsport-Training ermöglichen sollte.

Zitate (so oder ähnlich von Funakoshi, Lao-Tse, Tohei, Protin, Ushiro und weiteren):

„Das Kämpfen ist etwas, das in uns allen liegt. Besteht die Möglichkeit
es auszuleben, so wird es nicht auf andere Ebenen übertragen.“

„Die Essenz der Kampfkünste ist selber keinen Krieg anzufangen und mit Entschlossenheit sicherzustellen, dass auch andere es nicht tun.“

„Jeder weiß, dass das Weiche das Harte besiegt, doch niemand vermag danach zu handeln.“

„Das Budo hat zum Ziel körperliche und psychische Blockaden aufzubrechen und durch Gewohnheiten und Illusionen hindurch die wahre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.“

„Auch ein Weg von 10000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt.“

„Der Berg lacht nicht über den Fluss, weil der Fluss tief unten fließt und der Fluss lacht nicht über den Berg weil der Berg unbeweglich ist.“

„Wenn der Mensch geboren wird ist er weich und schwach, wenn er stirbt ist er stark und hart. Deshalb sind Stärke und Härte die Begleiter des Todes und Schwäche und Weichheit die Begleiter des Lebens und darum wird wer sich nur auf seine eigene Kraft verlässt scheitern. “